The Photography of ELIZAVETA PORODINA






ELIZAVETA PORODINA

Magazin Die Dietrich -21.Mai.2019 Anuschka Wienerl


Die in München lebende Modefotografin Elizaveta Porodina (geb.1987, Moskau) hat sich längst in den internationalen Hochglanzmagazinen einen Namen gemacht. Ihre skurrilen und schrillen Inszenierungen für namhafte Modelabels erschienen in der Vogue und im Harper’s Bazaar; auf Instagram kann sie sich über eine große Anzahl von Followern freuen.
Eine Auswahl aus dem vielseitigen Repertoire der Fotografin sind in der Kabinettausstellung vertreten. Kuratiert von der Sammlung Fotografie, werden Bilder und Werkgruppen zu sehen sein, die über die reine, angewandte Praxis der Modefotografie hinausgehen. Vielmehr handelt es sich um Portraits, die von seelischer Zerrissenheit und düsteren Vorahnungen geprägt sind. Porodina beschäftigt sich in ihren Lichtbildern mit der unüberwindbaren Distanz zu ihren Mitmenschen und Methoden der Verstellung – so nah man sich auch stehen mag, so nah die Kamera auch an ihr Motiv heran treten kann, sichtbar werden häufig nur die Grenzen. Diese sinnbildliche Barriere nimmt die Fotografin mit ihren Studiotechniken und Hilfsmitteln auf: um malerische Effekte zu erzielen verwendet sie milchige und fettige Glasscheiben oder setzt geschickt Bewegungsunschärfen und Mehrfachbelichtungen ein, um Störeffekte zu erzeugen. Ob Schwarz-Weiß oder in Farbe, keines ihrer Bilder bietet einen direkten und offenen Zugang zum Dargestellten und so entwickeln sich die Figuren in ihren Bilder zu Projektionsflächen für Narrationen, Fanatasien und Selbstreflexionen. Porodina greift neben surrealistischen Stilelementen, Darstellungsmodi der klassischen Modefotografie auf, sei es das Licht und die Accessoires eines Edward Steichen oder Techniken der Bildmanipulation und Verfremdungsstrategien, die an Erwin Blumenfeld erinnern. Mit diesen teils dadaistischen Anleihen gelingt es Porodina einen eigenen wiedererkennbaren Stil zu entwickeln, der sich insbesondere durch die intime, träumerische und entrückte Stimmung der Bilder auszeichnet.

In ihrer experimentellen Mode-und Kunstfotografie reist Elizaveta Porodina durch Zeit und Raum und extrahiert in ihren mitreißenden Produktionen die zugrundeliegenden Emotionen. Die in Moskau geborene studierte klinische Psychologin spielt mit melancholischer Symbolik, setzt Konnotationen, mal zweideutig, mal ehrlich und offensichtlich – ihre Bandbreite variiert zwischen filmischen, modischen und fast dokumentarischen Bildern. Ob in dramatischen Schwarz-Weiß-oder lebendig gefärbten Kunstwerken, der Münchner Fotograf ist ein Meister der dunklen Romantik.

Biografie
1987 geboren in Moskau, Russland
2000 Umzug nach München
2006 – 2011 Studium und Abschluss in Klinischer Psychologie, Ludwig-Maximilians-Universität München
2011 – 2013 Studium und Arbeit im Bereich der Psychotherapie in München
2013 – bis heute Fotokünstlerin und Modefotografin
Ausstellungen
2016 Helmut Newton Retrospective, FOAM, Amsterdam
2016 Bikini Diaries: Elizaveta Porodina’s Dark Iconography, Galerie Max Weber, Berlin
2017 Das Bilderbuch der Elizaveta Porodina, OstLicht,

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