Sienna Miller im Interview-Talk

Die Dietrich 30.01.2019 | Anuschka Wienerl

Die Dietrich: Wie wichtig ist die Mode für Sie? Sehr wichtig. So wichtig wie die Stimme. Und der Akzent oder Dialekt. All das hilft mir, in den Kopf eines anderen Menschen zu gelangen. Herauszufinden, wie es ist, jemand anders zu sein.

Die Dietrich: Kann man schauspielen, ohne empathisch zu sein? Bestimmt. Aber für mich ist es definitiv einfacher, mit Empathie zu arbeiten.

Die Dietrich: In Ihren Zwanzigern lief es nicht so gut, haben Sie mal gesagt. Da herrschte eher das Chaos.
Das stimmt. Als ich anfing zu arbeiten, war ich 21 Jahre alt. Und ich war so schrecklich naiv! Andere leben in der Zeit ihr Studentenleben. Bei mir wurde jeder Schritt dokumentiert und alles, was ich tat, beurteilt. Das hat mich extrem unter Druck gesetzt. Und ich war einfach nicht gut darin, mich selbst zu schützen. Andere können das besser. Ich musste das erst lernen.

Die Dietrich: Und jetzt wollen alle gleichzeitig mit Dir arbeiten. Wie entscheidest Du?
Nach Vorlieben. (Lacht.) Gerade habe ich am Broadway gespielt. Mein erstes Musical. Singen und Tanzen ist so ein Spaß! Aber zwei Shows am Abend und nur montags frei – das ist echt anstrengend. Meine Tochter konnte ich in der Zeit nie selbst ins Bett bringen …

Die Dietrich: Ist es ein Fluch oder ein Segen, hübsch zu sein?
Ich denke so gar nicht über mich. Du hättest mal hören sollen, wie ich morgens am Set mein Aussehen bejammert haben. Ich nehme das als Kompliment, das ich nicht kommentieren möchte.

Die Dietrich: Fühlst du dich nicht geschmeichelt, wenn du in der Presse liest, dass du eine Schönheit bist?
Natürlich ist es schmeichelhaft, Komplimente zu bekommen, aber ich versuche, nicht zu viel Zeitung zu lesen. Denn ich neige dazu, eher die negativen Sachen zu glauben.

Die Dietrich: Wie ist denn dein Verhältnis zur Presse?
Nicht so doll (schaut ein bisschen verschämt).

Die Dietrich: Was für einen Effekt hat das denn auf dich, wenn du einen bösen Artikel über dich liest?
Genau so, wie du es dir vorstellst oder wie es auf dich wirken würde, wenn man so was über dich schreibt. Ich bin da nicht anders als jeder andere auch. Wenn jemand Horrorstories über dich verbreitet, ist das schrecklich.

Die Dietrich: Bekommst du nicht irgendwann ein dickeres Fell? Schon, aber eigentlich bin ich ein sehr offener und verletzlicher Mensch und ziehe mir das sehr an, wenn Leute grausam zu mir sind. Und es verletzt mich, dass meine Familie mit reingezogen wird und es ihre Gefühle verletzt. Natürlich mache ich die Erfahrung, dass ich viele Fans habe, aber es gibt auch eine große Menge Leute, die sehr starke Gefühle in die andere Richtung hat. Und jeder hat das Recht dazu. Ich muss einfach den Kopf einziehen, weiter arbeiten und gute Arbeit abliefern.

Die Dietrich: Wann wusstest du, dass du Schauspielerin werden willst? Wie aus der Pistole geschossen: Mit vier, als ich Marilyn Monroe in ‚Manche mögen’s heiß’ gesehen habe.

Herzlichen Dank für das Gespräch.