„MIA“ 20 Jahre lediglich eine Zwischenstation

Die Dietrich-Anuschka Wienerl/ 19.Oktober 2018

Alles begann im Jahre 1997, als sich in Berlin eine Schülerband gründete und durchstartete.

Nach einigen Namensänderungen nannte sie sich „MIA.“, wohlgemerkt mit Punkt am Ende. Der Vorteil einer Buchstabenfolge besteht darin, dass man ihr immer neue Bedeutungen geben kann. „Musik ist alles“, ist da vielleicht die überzeugendste. Doch ohnehin ließ damals, kurz vor dem Millennium, nicht der Name aufhorchen, sondern die Stimme der Frontfrau mit dem seltsamen Namen „Mieze Katz“. Wer da ein possierliches Tierchen vermutete, wurde schon beim ersten Song eines Besseren belehrt: Diese Katze hatte Krallen und jede Menge Power. Das hat sich in all den Jahren nicht geändert. Mit ihrer starken Bühnenpräsenz und positiven Ausstrahlung ist Mieze der Mittelpunkt jeden Auftritts, musikalisch getragen und angefeuert von den Bandmitgliedern Andy Penn, „Bob“ Schütze und Gunnar Spies.

Die Show reißt mit und macht MIA.-Konzerte zu einem Event, das in Erinnerung bleibt.
Mieze und ihre Freunde haben da klare Vorstellungen: „Unser Live-Programm wird maßgeblich davon beeinflusst sein, welche Lieder die Fans sich von uns wünschen. Das ist eine ganz bewusste Entscheidung. Damit wollen wir dem Konzept ‚Das Leben ist vorbestimmt. Das Leben ist kein Zuckerschlecken. Das Leben ist kein Wunschkonzert.’ etwas entgegensetzen: Doch, du kannst dein Leben bestimmen! Und du hast auch Einfluss auf unser Programm. So wird jeder Abend anders sein. Der Fundus, aus dem MIA. bei dieser Tour schöpfen kann, ist groß: Sechs Alben hat die Band über die Jahre veröffentlicht. Viele Songs sind bekannt geworden, andere aber auch nicht. Letztere sind laut Gunnar Spies die Joker: „Wer weiß, vielleicht ruft der eine oder andere Fan einen der vergessenen Trüffel aus unserem Repertoire auf.

20 Jahre MIA.

Man darf gespannt sein, was da auf der Bühne passiert. Nur eines ist sicher: Es wird danach weitergehen. Das Jubiläum ist lediglich eine Zwischenstation. „Ich kann mir wunderbar 30, 40 Jahre und mehr MIA. vorstellen“, sagt Mieze. „Und ich freue mich auch auf die weitere gemeinsame Entwicklung.“ Das klingt nach einem Versprechen an die Fans.

GO To INTERVIEW – Oberhausen // Turbinenhalle

20 Jahre MIA.! Seid ihr stolz, fühlt ihr euch alt, eine Mischung aus beidem? Wie fühlt sich das an, wenn man die letzten zwei Jahrzehnte nochmal Revue passieren lässt?
Man ist ein bisschen fassungslos. Wir haben ja dann doch alles bei halbwegs vollem Bewusstsein miterlebt und trotzdem kommt es einem absurd vor, dass es diese Band jetzt schon zwanzig Jahre gibt. Einige Leute drumherum kriegen auch immer einen Schreck – das liegt vielleicht daran, dass wir ja auch erst 2002 mit unserem ersten Album auf der größeren Medienbildfläche erschienen sind.

Was treibt euch auch nach über 20 Jahren als Band dazu an, weiter Musik zu machen und auf Tour zu gehen?
Wir haben doch so viele Sachen noch nicht gemacht, die müssen wir alle noch machen. Außerdem kommen wir auch nach zwanzig Jahren immer noch sehr gut miteinander aus. Das haben wir uns hart erarbeitet und es erfüllt uns einfach, Dinge gemeinsam mit Menschen zu tun, die man trotz aller Unterschiedlichkeit schätzt und respektiert.

Worauf freut ihr euch auf der kommenden Tour am meisten?
Auf die Bühne und die Leute!

Was können eure Fans von den Konzerten erwarten? Wird es Überraschungen geben, wie z.B. Gastmusiker oder Ähnliches?
Das Ganze wird auf jeden Fall eine handfeste Geburtstagsparty. Überraschungen gehören da ja wohl dazu…
2004 wart ihr beim deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest dabei, bei dem am Ende Max Mutze zum Sieger gewählt wurde.

Seid ihr rückwirkend vielleicht sogar froh, euch mit diesem Medienzirkus „ESC“ nicht auseinandersetzen zu müssen?
Es ist nicht ganz so unsere Art, Szenarien, die aus irgendwelchen Gründen nicht stattgefunden haben, im Nachhinein zu bewerten oder weiterzudenken. Wir fühlen uns von unserem Hier und Jetzt weitestgehend ausgelastet und, wenn’s gut läuft, gut genug unterhalten.

Wo wäre MIA. heute, wenn ihr damals Deutschland in Istanbul vertreten hättet?
Keine Ahnung.

Ihr habt mit eurem Song „Hungriges Herz“ teilgenommen. Auch 14 Jahre später noch einer eurer vielgehörten und gemochten Hits. Welche Bedeutung hat der Song heute (noch) für euch?
Dieses Stück Musik ist eines unserer Lieblingskinder. Man kann damit eine Menge anstellen, aber die Eigenheiten lassen sich nicht austreiben.

Gibt es in eurem Repertoire Songs, die ihr „mit dem Wissen und der Weisheit von heute“ so nicht geschrieben oder aufgenommen hättet?
Ok, für diese Frage brauchen wir ein bisschen länger: Ein Song, ein Comic, ein Gedicht, vielleicht sogar Filme oder aufwendigere Werke aus der bildenden Kunst, leben vom Moment. Irgendetwas schleicht sich in Deine Wahrnehmung und daraus entsteht etwas Schöpferisches – entweder allein, oder im Team. Das ist doch total geil und man muss diesem Moment auch seine Power zugestehen – zu viel überlegen ist da manchmal hinderlich (und überlegt, abgewogen und ausprobiert wird beim Songs machen sowieso genug). Du drückst einfach die Klinke runter, machst die Tür auf und rennst los. Irgendwann kommt der Moment, wo Du loslassen musst, wo Du einen Haken dahinter machst und dann muss das Ding raus. Zehn Jahre später hörst Du Dir dann an, was Du damals gemacht hast (vielleicht, weil Du dabei bist, die Setlist für die nächste Tour zu basteln…) und Du findest es vielleicht scheiße oder super, aber in dem Moment, wo Du das machst, ist Dir das egal, denn mit Weisheit und know how wären ganz viele tolle Songs oder andere kleine Kunstwerke niemals entstanden.
Fakt ist: Klar, mit der Perspektive von heute, würden wir wahrscheinlich alle unsere alten Songs anders klingen lassen – machen wir ja sowieso auf der Bühne für jede Tour oder Festivalsaison.

Gibt es schon Pläne für die Zeit nach der Tour? Wird es in absehbarer Zeit vielleicht sogar neue Songs von euch zu hören geben?
Wir sind noch bis Oktober unterwegs und „nebenbei“ basteln wir an Neuem.

20 Jahre MIA. – Das …..
… war unser bestes Konzert: Mai 2002 -Tanzhalle St. Pauli und Dezember 2012 – Max – Schmeling – Halle Berlin
… war unser peinlichstes Erlebnis auf der Bühne: Andi hat sich mal ausgesperrt, aber das ist eine lange Geschichte…
… war unser schönster Moment auf der Bühne: so viele….
… darf auf Tour nicht fehlen: Heizlüfter und Yogamatte
… ist unser persönlicher Lieblingssong von MIA.: Wir haben einen ganzen Sack voller Lieblinge
… wollten wir schon immer mal bei einem Konzert machen: Alle Gadgets und Bühnenutensilien in einer Show!
… wollten wir schon immer mal sagen: Alles muss erlebt werden!
… machen wir in 20 Jahren: locker bleiben….

MIAU Die Dietrich Dankt MIAU