Liebe? Lieber nicht! Songwriterin Laurel im Interview

Die Dietrich 05.März 2018 von Anuschka Wienerl

Die Dietrich traf die britische Songwriterin Laurel zum Interview.

Sogar die Vogue lobte ihren elfenhaften Pop … … Laurel sei das neuen Gesicht des britischen Pops, lobte die Zeitschrift.

In Ihren dringlicher Popsongs widmet sich die Londoner Indie-Musikerin Laurel dem ultimativen Albtraum: romantische Gefühle zu entwickeln.
Eine erfolgreiche Debüt-EP („Park“), gefeierte Live-Shows und klatschende Hände in Kollegen- und Kritiker-Kreisen: Für die aufstrebende britische Songwriterin Laurel hätte das erste Jahr im Musik-Biz nicht besser laufen können. Nun soll das heiß ersehnte Debütalbum „Dogviolet“ dafür sorgen, dass sich für die Sängerin aus East-London weitere Kariere-Türen öffnen.

Laurel, du hast bereits im vergangenen Jahr mit deiner Debüt-EP „Park“ für viel Aufsehen in der Indie-Pop-Szene gesorgt.
Nun legst du mit deinem Debütalbum „Dogviolet“ nach. Da stellt sich natürlich zwangsläufig die Frage nach dem aktuellen Gemütszustand. Aufregung? Vorfreude? Vielleicht auch ein bisschen Angst? Welches Gefühl hat gerade die Oberhand?

In erster Linie bin ich aufgeregt und glücklich. Die Veröffentlichung der EP im vergangenen Jahr war schon eine große Nummer für mich. Jetzt habe ich mein Debütalbum am Start. Das macht mich wirklich sehr, sehr glücklich. Natürlich weiß ich noch nicht, wie die Leute da draußen auf meine neuen Songs reagieren werden. Ein paar Tracks gibt es ja schon zu hören. Da ist man dann natürlich gespannt. Aber Angst verspüre ich keine, eher Vorfreude.

Ich gehe mal davon aus, dass die Leute, denen deine EP gefiel auch „Dogviolet“ abfeiern werden.
Das hoffe ich. Sicher, es gibt einige neue Facetten auf dem Album. Aber das Fundament ist geblieben.
Woher kommt dieser Mix aus Indie-Pop, antiken Surf-Sounds und klassischen Singer-Songwriter-Elementen? Das ist ja doch eine eher ungewöhnliche Mixtur.
Ich weiß nicht. Es ist jetzt nicht so, dass ich dir irgendwelche Künstler nennen könnte, die mich in diese Richtung geleitet haben. Natürlich höre ich auch viel Musik und lasse mich von Sounds und Stimmungen inspirieren. Aber ich war in puncto Genres irgendwie nie wirklich festgelegt. Das bin ich auch heute nicht. Ich lasse mich und meine Musik einfach von dem leiten, was in mir passiert. Und irgendwann, am Ende des Tages, klingt es dann so, wie es klingt.

Du singst nicht nur und spielst Gitarre, du kümmerst dich auch um die Produktion und das Mixen deines Schaffens. Woher kommt dieser Hang zur Kontrolle?
Ich würde mich eigentlich nicht als jemanden bezeichnen, der einen besonders ausgeprägten Hang zur Kontrolle hat. Sicher, bei der Musik ist es einfach so, dass ich gerne Verantwortung übernehme. Es sind meine Songs, meine Texte und meine Geschichten. Da bin ich dann auch gerne involviert, wenn es darum geht, all das in Form zu gießen. Ich denke, wenn man als Künstler die Möglichkeiten dazu hat, dann ist man auch gerne bis zum Schluss mit dabei.

Ich bin noch ein bisschen unschlüssig, welchen Song ich auf dem Album besonders hervorheben würde. Wie sieht es bei dir aus? Gibt es einen Track, der dir besonders am Herzen liegt?
Das ist eine schwierige Frage. Es kommt immer auch ein bisschen auf die Stimmung an. Wenn ich nicht so gut drauf bin, stehen wahrscheinlich Songs wie „Same Mistakes“ oder „Crave“ ganz oben auf der Liste. In diesen Songs geht es um Erinnerungen an vergangene Beziehungen und den Wunsch nach grenzenloser Aufmerksamkeit – also eher um die Schattenseiten der Liebe. Wenn es mir gut geht, rücken andere Songs in den Fokus. Das hängt, wie gesagt, von meinem Befinden ab.

Wie würdest du deine Stimmung vor einem Konzert beschreiben? Ist es nicht eine große Herausforderung, all diese intimen Gedanken und Gefühle mit so vielen fremden Menschen zu teilen?
Natürlich kostet es auch Überwindung. Aber sobald ich die Hürde der ersten Minuten eines Konzerts hinter mir habe, verspüre ich nur noch ein befreiendes Gefühl. Wenn alles passt, der Sound stimmt und sich eine Verbindung zwischen dem Publikum und mir aufbaut, dann ist alles, was vorher im Argen lag, wie weggeblasen. Live-Konzerte sind unheimlich faszinierend und heilsam.
Überall? Mir kam irgendwie zu Ohren, dass du in deiner Heimatstadt London nicht ganz so gerne auftrittst. Stimmt das?
Nein, das stimmt nicht. Ich stehe sogar sehr gerne in London auf der Bühne. Es ist nur so, dass ich in London immer besonders nervös vor einer Show bin. Aber das ist eher eine Form der positiven Aufregung – keine Angst. In London sind halt immer auch viele Freunde und Bekannte von mir mit dabei. Das gibt dem Ganzen natürlich nochmal einen extra Spannungsschub.

Was machst du lieber: auf der Bühne stehen oder daheim an neuen Songs tüfteln?
Ich liebe beides. Das Gefühl auf der Bühne ist unvergleichlich. Der Moment, wenn sich zuhause ein neuer Song ganz langsam aufbaut, ist aber genauso erfüllend. Ich kann da nichts hervorheben. Ich bin dankbar, dass ich die Arbeit abseits und auf der Bühne lieben und leben darf. Das ist ein großes Geschenk.
Vielen Dank für das Interview.