KINOTOUR Der Geilste Tag mit Matthias Schweighöfer & Florian David Fitz

Die Dietrich – Anuschka Wienerl /02.März 2016

Am 02. März machte die Kinotour von DER GEILSTE TAG im Cinedom in Köln Station.
Die Dietrich trafen Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz zum persönlichen Interview.

Das Cinedom im Ausnahmezustand: Im Rahmen ihrer Kinotour quer durch die Republik machten die Schauspieler Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz am Mittwoch Abend Halt in Köln und stellten ihren neuen Film „Der geilste Tag“ vor.

Eine Komödie über das Sterben? Regisseur Florian David Fitz sieht darin keinen Tabubruch – und lässt Matthias Schweighöfer in „Der geilste Tag“ eine der lustigsten Sexszenen der deutschen Filmgeschichte spielen.

Florian David Fitz, den eine halbe Million Facebook-Freunde „liken“, hat Angst vor dem, „was das Netz bei manchen Menschen herauskehrt. Es friert mich ein bisschen, wenn ich diese unfassbare Aggression und Schamlosigkeit sehe, eine seltsame Freude an der eigenen seelischen Hässlichkeit“, sagt der Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor im Interview mit Anuschka Wienerl.

Florian und Matthias plaudern über „Der geilste Tag“

Über die Entstehung des neusten Projekts „Der geilste Tag“ verriet Maag: „Wir sind schon seit Jahren mit Florian David Fitz im Gespräch gewesen und haben über ein gemeinsames Filmprojekt nachgedacht, in dem wir die Publikumslieblinge Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz erstmals zusammen auf die Leinwand bringen könnten. Denn von den Fans wurde immer wieder die Bitte an uns herangetragen, dass Matthias und Florian auch mal gemeinsam auftreten sollten. So kam es, dass wir uns vor drei Jahren zusammensetzten und das Projekt konkret in Angriff nahmen. Florian brachte die Idee zu ‚Der geilste Tag‘ bereits mit und stellte sie uns vor – sie hat uns sehr stark berührt: Uns war sofort klar, dass es nur dieser Stoff sein konnte. Die Zuschauer dürfen sich also erneut auf eine Komödie freuen, wie sie Matthias Schweighöfers Fans erwarten und auch jetzt wieder erleben werden. Allerdings gehen wir diesmal daru?ber hinaus mit dem Anspruch, dem Publikum auch sehr emotionale Momente zu bieten, die zum Nachdenken anregen.“

Dazu Autor, Regisseur, Co-Produzent, Hauptdarsteller und Strahlemann Florian David Fitz: „Matthias und ich haben in einem Fischrestaurant gegessen, und ich habe ihm die Story von Andi und Benno vorgeschlagen – Matthias sagte sofort: Das ist es! Ich weiß nicht, ob er das inzwischen bereut hat – denn das Sterben ist für Matthias eigentlich kein angenehmes Thema!“, lacht er. „Die Geschichte hat jedoch einen wahren Hintergrund: Ich habe einen Mann kennengelernt, der aufgrund seiner Krebsdiagnose tatsächlich 30.000 DM von der Bank als Darlehen aufnahm und alles in vollen Zügen durchgebracht hat. Weil ich den Film mit Matthias zusammen machen wollte, ging es nun darum, eine zweite Figur zu erfinden: einen Mann, der im Leben immer zu kurz gekommen ist und jetzt dem Tod ebenfalls ins Auge blicken muss.“

Und über seine Arbeitsweise am Set verriet Fitz: „Ich brauche beim Schreiben einen Pingpong-Partner, mit dem ich dramaturgische Entscheidungen durchspielen kann – diese Rolle übernahm Dan Maag – für ihn recht ungewohnt, aber für uns beide sehr wichtig.“

Am Ende war klar, dass nur Florian oder Matthias selbst diese Aufgabe übernehmen konnten. Beide haben sich ja neben ihrem sehr erfolgreichen schauspielerischen Profil auch schon als Regisseure bewährt. Matthias hat daraufhin schnell erklärt, dass für ihn die Sache sowieso entschieden sei, denn wer wie Florian ein derart mitreißendes und überzeugendes Skript schreiben kann, sollte es auf jeden Fall auch inszenieren. Damit war Florian aber nicht automatisch einverstanden, weil er den gut nachvollziehbaren Einwand vorbrachte, dass die Regiearbeit bei der gleichzeitigen sehr komplexen Rolle vor der Kamera eine besondere Belastung ist, zumal er ja auch seinem zweiten Star Matthias in der Inszenierung gerecht werden muss. Wir haben Florian dann aber bearbeitet und ihn wirklich intensiv gebeten, diese Verantwortung zu übernehmen. Und für mich war es in der Folge auch ganz selbstverständlich, dass er sich in dieser sehr anspruchsvollen Doppelaufgabe hervorragend bewährt hat.“
Über die Entwicklung seiner Rolle sagt Schweighöfer: „Als Florian am Drehbuch schrieb, war noch gar nicht klar, wer den Benno und wer den Andi spielen würde. Die Figur des Andi hat sich erst in den letzten Fassungen des Skripts eindeutig in der jetzigen Form herauskristallisiert – zunächst wollte Florian diese Rolle übernehmen. Erst in der letzten Phase haben wir uns dann umentschieden.“ Und Fitz bestätigt: „Wir haben beim Schreiben schon an die jetzige Rollenverteilung gedacht, aber auch die umgekehrte Besetzung war denkbar und sicher durchaus spannend!“

Florian David Fitz erinnert sich dann: „Beim Dreh auf dem Tafelberg in Kapstadt fragte ich Matthias direkt: ‚Übernimmst du bitte die Co-Regie? Ich möchte, dass du auf mein Spiel achtest, wenn ich vor der Kamera stehe.‘ Das hat unsere Zusammenarbeit völlig verändert, weil er sich in solchen Momenten intensiv eingebracht hat.“ Schweighöfer ergänzt: „Ich habe mich aber aus der Figurenentwicklung ganz herausgehalten, weil ich Florian möglichst wenig beeinflussen wollte. Denn ich bin selbst Regisseur, und meine Meinung hätte die Konstellation komplizierter gemacht, weil ich den Film ja auch produziere. Es war in diesem Fall besser, Florian das Heft in die Hand zu geben und ihn autark arbeiten zu lassen. Ich empfand es als sehr erholsam, nur als Schauspieler aufzutreten und mir sonst keine Gedanken machen zu müssen. Das sollte ich wirklich öfter machen! Allerdings ergaben sich beim Dreh auch Situationen, in denen ich ihm einen Tipp gegeben und meine Sicht der Szenen erklärt habe. Aber in der Regel habe ich gemerkt, dass er besser sein eigenes Ding machen sollte – dann habe ich einfach meine Klappe gehalten. Und das hat richtig gut funktioniert.“

Matthias Schweighöfer ist des Lobes voll über seinen genauso beliebten Kollegen: „Florian ist immer mit dem Kopf und mit dem Bauch bei der Sache. Wenn er eine Entscheidung trifft, ist sie sehr durchdacht und dennoch nicht verkopft. Ich war diesmal eher als Schauspieler gefragt und habe mich gefühlsmäßig, aus der Sensibilität für meine Rolle geäußert und eingebracht, also eindeutig mehr als er aus dem Bauch heraus. Als Regisseur leistet Florian großartige Arbeit. Er begegnet mir sehr respektvoll, nicht nur als Partner vor der Kamera, sondern weil ich natürlich auch der Produzent unseres Films bin“, lacht der Schauspieler. „Florian hat die Dreharbeiten fantastisch bewältigt, und ich bewundere ihn, denn er würde niemals ausflippen, wenn etwas nicht sofort klappt.“

Dass die beiden Hauptdarsteller harmonieren, war die Voraussetzung für das Projekt: das Herzstück, ohne das es den Film nicht gegeben hätte. „Wenn das nicht funktionieren würde, wären auch die exotischsten Schauplätze keinen Pfifferling wert“, sagt Produzent Dan Maag. „Weil ich die beiden auch privat kenne, war mir von vornherein klar: Die Chemie stimmt. Doch vor der Kamera ergibt sich aus der traurigen Emotionalität der Story eine weitere Dimension, die über das beliebte und bewährte Komödienambiente hinausgeht, und auf all diesen Ebenen haben die beiden uns darstellerisch begeistert – was auch durch die gute Stimmung und die konzentrierte Spannung bei der Arbeit am Set ständig spürbar war. Übrigens sind auch die beiden selbst mit dem Ergebnis durchaus zufrieden!“

INTERVIEW MIT FLORIAN DAVID FITZ

ANUSCHKA: GAB ES FÜR DIE GESCHICHTE, DIE DEIN FILM „DER GEILSTE TAG“ ERZÄHLT, EIN SCHLÜSSELERLEBNIS??
Florian: Es gab in der Tat eine Geschichte in unserer Umgebung, die den Impuls gegeben hat, aber wenn ich die erzähle, nehme ich das Ende vorweg. Ich fand es einfach spannend, den einzigen Vorteil in einer Sache zu suchen, die auf den ersten Blick überhaupt keinen Vorteil hat: Sterben.

ANUSCHKA: HAST DU HOSPIZ-ERFAHRUNGEN GEMACHT, ALSO JEMANDEN IM HOSPIZ BESUCHT?
Florian: Ja, wir haben uns vor Ort einen Eindruck gemacht. Es geht aber bei uns ja nicht um die naturalistische Darstellung eines Hospizes, es geht um die Frage: Was wäre, wenn man keine Angst hätte?

ANUSCHKA: BRAUCHST DU PERSÖNLICH MANCHMAL DEN GEDANKEN AN DEN TOD, UM INTENSIVER ZU LEBEN?
Florian: Gar nicht mal, um intensiver zu leben, aber um wichtig und unwichtig besser zu unterscheiden.

ANUSCHKA: BIST DU GLÄUBIG?
Florian: Ich identifiziere mich mit dem Gedanken dahinter. Jede Religion setzt sich ja mit den essentiellen Fragen auseinander. Was viele Menschen daraus machen, macht mich eher stutzig.

ANUSCHKA: DER GEILSTE TAG IST DER LETZTE: WIE KAMST DU AUF DIESE IDEE?
Florian: Na, es geht schon um diese etwas neurotische Suche nach der Erfüllung. Wie muss der Moment aussehen, nachdem man befriedigt seine Augen schließt?

ANUSCHKA: WAR ES SCHWER, DAS DREHBUCH ZU SCHREIBEN? ODER ANDERS GEFRAGT: WELCHE KLIPPEN MUSSTEST DU ÜBERWINDEN:
Florian: Ja, das ist sehr unterschiedlich. Es gibt tolle Momente und es gibt sehr harte, wo man an jeder Biegung in seinem Kopf gegen eine Wand läuft. Man hat ein Problem, löst es und löst dadurch ganz woanders das nächste Problem aus.

ANUSCHKA: WAR ES FÜR DICH EINE HERAUSFORDERUNG, TOD UND KOMIK IN EINKLANG ZU BRINGEN?
Florian: Man sagt ja, Oscar Wildes letzte Worte waren: „Einer von uns muss gehen. Diese schrecklich Tapete oder ich.“ Sie sehen, es geht.

ANUSCHKA: IST LIEBE STÄRKER ALS DER TOD?
Florian: Boah, das ist mal ne Frage. Die ist etwas zu groß für mich.

ANUSCHKA: WAS IST DER WICHTIGSTE KÜNSTLERISCHE GRUND FÜR DICH, ZUM ZWEITEN MAL IN DEINER KARRIERE, DIE FILM-REGIE ZU ÜBERNEHMEN?
Florian: Geld! (lacht) Nein, ich hatte einfach Lust. Wenn man das Buch geschrieben hat, ist man sowieso schon den halben Weg gegangen.

ANUSCHKA: VIELEN DANK FLORIAN, WAR UNS WIEDER MAL EINE EHRE.
Florian: Ich Danke, war sehr entspannt.

Das Interview führte Anuschka Wienerl