Kati Frankie im Interview „Bad Behaviour“  Ihr Neues Album

Die Dietrich 05.März 2018 von Anuschka Wienerl

„BadBehaviour“ heißt ihr neues Album, das im Februar 2018 erschienen ist

Man kann darauf sämtliche Qualitäten ihrer Musik wiederfinden.

So furchtlos hat sie die „dunklen“ und die „hellen“ Seiten ihrer Musik noch niemals ineinander verspiegelt; so viele Überraschungen gab es bei ihr noch nie zu hören.

 

Das Plaudern nimmt seinen Anfang:

Kate, da du ja aus Sydney stammst und jetzt seit über dreizehn Jahren in Berlin lebst – was ist „Home“ für dich?

[lacht] Oh Gott! Das weiß ich nicht mehr. Wenn ich in Sydney bin, fühle ich mich wie eine Touristin, und eigentlich mag ich das sehr. Sydney ist viel geiler als Besucherin.

Ist in Berlin genauso?

Ja, vielleicht hast du recht. Aber es ist schwer, da zu wohnen [in Sydney].

Lange Arbeitszeiten, alles geht um Geld. Es ist auch konservativer als hier.

Und hier… Ich bin keine Berlinerin, aber Berlin ist mein Zuhause. Ich fühle mich wohl hier, es ist meine Stadt.

Bekommt man das als Künstler besonders mit, wie auch in dieser Stadt in den letzten Jahren die Kieze verdrängt werden? Hier [im Prenzlauer Berg] ist es ja im Prinzip schon längst vorbei.

Du meinst, Gentrifizierung und so? Ja, es wird auch schwieriger für Musiker in dieser Stadt. Zum Beispiel gibt es ja auch weniger Clubs. Für mich waren da früher der Bang Bang Club oder das Intersoup. Jetzt wird der Privatclub bedrängt, der Bassy Club macht zu. Es wird schwerer. Mittlerweile spielen viele Leute in Clubs in Rummelsburg oder Neukölln. Es gibt nicht mehr so viel Musik in der Mitte der Stadt.

Und das, wo Berlin diesen Ruf hat, eine sehr kreative Stadt zu sein.Irgendwann ist die Stadt dann tot. Dann ziehen wir weiter, nach Leipzig oder so.

Liest du viel? Aus den Liner Notes gingen da ein paar Einflüsse hervor, z.B. die Geschichte mit dem Frauenmarsch [der Zug der Frauen nach Versailles, am 05.10.1789]. 

Ja, ich lese ziemlich viel. Ich hatte schon ein Lied über die französische Revolution geschrieben, das ich nicht herausgebracht habe. Das war von Charles Dickens’ „Eine Geschichte aus zwei Städten“ beeinflusst. Das hier habe ich ein wenig recherchiert, nachdem ich auf einer Wikipedia-Seite über diesen Frauenmarsch gelesen hatte. Ich weiß nicht, ob ich das Lied schon angefangen hatte und nach einer Geschichte gesucht habe oder ob es andersherum war.
Ein anderer Song mit einer Story dahinter, hier einer etwas lustigeren, ist „Headed For The Reaper“.
Ja, der kommt von einem Artikel in der New York Times. Ein sehr, sehr geiler Artikel über einen Cage Fighter, der so schlecht war, dass seine Freunde ihn „Tomatendose“ genannt haben.
Da muss man schon was können.
Das war wie in einem Film der Coen-Brüder. Der war einfach der dümmste Mensch aller Zeiten, und das hat mich inspiriert [lacht].
Darum ist der Song auch ein bisschen – das soll jetzt nicht negativ klingen – cheesy.

Zum Ende frage ich immer gern, was gerade im Tourbus rotiert. Oder auch, was der Künstler aktuell so hört bzw. während der Aufnahmen gehört hat.

Im Tourbus will ich, dass alles leise ist. Ich kann auf Tour keine Musik hören, das fällt mir echt schwer.

Das höre ich nicht zum ersten Mal.

Aber während ich aufgenommen habe… Im letzten Jahr habe ich viele unterschiedliche Sachen gehört. Am meisten wahrscheinlich Dirty Projectors und Solange, also Beyonces kleine Schwester.
Die Talentiertere der beiden.
Ich mag auch Beyonce, aber Solange ist cool, das ist der große Unterschied.

Und aktuell so?

Ich höre gerade viele Künstler aus Österreich und der Schweiz. Schmieds Puls finde ich immer noch großartig. Und Ankathie Koi, die macht diesen total geilen Synthpop.
Im März gehst du mit deiner Band auf Tour quer durch Deutschland. Freust du dich schon darauf, insbesondere die neuen Songs live zu performen?

Oh mein Gott, ja! Das war auch einer der Gründe, weshalb ich sie überhaupt geschrieben habe. Meine Shows sind ziemlich emotional und dramatisch, meine älteren Songs sind alle eher traurig. Mit dem neuen Album wollte ich ein bisschen mehr Spaß auf der Bühne haben. Und dafür habe ich nun auch die passenden Songs geschrieben. Wir haben die neuen Tracks schon bei ein paar Gigs live performt und sie kommen gut an.

Du verwendest bei Liveauftritten oft eine Loopstation, zum Beispiel beim Titeltrack “Bad Behaviour“. Was macht dieses Instrument so besonders?
Ich glaube das liegt daran, dass Singen für mich das Natürlichste der Welt ist. Eine Loopstation ist eine Maschine, die es einem sehr leicht macht, Sounds aufzunehmen und Harmonien übereinander zu legen. Es macht einfach wahnsinnig Spaß, damit Songs aufzubauen. Dafür verwendet man nur die eigene Stimme und andere Sounds, die mit dem eigenen Körper produziert werden. Es ist im Prinzip wie ein Spielzeug.
Vielen Dank für die Tipps und das Gespräch!