Interview Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz über »Lommbock«

Magazin Die Dietrich – 09.März 2017

Seit der Kifferkomödie »Lammbock« sind über 15 Jahre vergangen. Dass Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz noch immer ein Odd Couple sind, dem man gerne beim Philosophieren zuhört, beweist nicht nur der Nachfolger »Lommbock«, sondern auch ein Treffen in einem vollgequalmten Hamburger Hotelzimmer. Senta Best hat zugehört.

An den Anfang eines Textes zu »Lommbock« gehört zwingend ein Name: Mehmet Scholl. Was also kann auf dem Weg zu einem Interview mit Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz Passenderes passieren als die Schlagzeile »Liebes-Aus für Mehmet Scholl«? Rein. Gar. Nichts. Gut, dass eine BILD-Zeitung den Weg ins Hotel kreuzt, in dem das Gespräch mit den beiden »Lamm«- und »Lommbock«-Darstellern stattfinden soll. Dass Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz ein veritables Odd Couple sind, ist seit »Lammbock« klar. Und man merkt es auch, wenn man ihnen beim Herumblödeln in der Hotelsuite zuhört. In trauter Zweisamkeit quarzen sie das hiesige Nichtraucherzimmer zu.
»Kleinere Verstöße gegen das Gesetz sollte man sich immer herausnehmen«, lautet einer der ersten Sätze von Moritz Bleibtreu zum Thema. Die beiden Hauptdarsteller von »Lommbock« sind bestens gelaunt und wirken äußerst zufrieden – nicht nur wegen der selbst gestatteten Raucherei, sondern auch mit dem zweiten Teil von »Lammbock«. Wie es dazu kam? »Geplant war das nicht.
Wir wussten zwar, dass es Leute gibt, die unbedingt Teil zwei sehen wollen, und ich hab Christian Zübert auch lange genervt, dass er eine Fortsetzung schreiben soll. Allerdings hatten wir auch ziemlichen Respekt vor der Fallhöhe. Als ich das Drehbuch dann aufgeklappt habe, hatte ich anfangs auch echt Schiss. Dann dachte ich aber schnell: ›Geil, er versucht nicht, jemandem gerecht zu werden, sondern folgt einfach konsequent den Figuren, mit dem Ton und Humor des ersten Teils.‹«
Warum »Lammbock« damals so erfolgreich war und bis heute dieser – sorry, aber – »Kultcharakter« an ihm haftet? Die beiden wissen es selbst nicht. »Es sind drei Generationen, die auf den Film abfahren. Kids, die damals null waren, drehen den heute mit ihren iPhones nach. Dass der Film den Nerv von mehreren Generationen trifft, können wir uns auch nicht erklären«, wundert sich Lucas Gregorowicz noch immer. Als das Go für Teil zwei kam, wurde ein gemeinsamer Joint geraucht und »Lammbock« zur Vorbereitung gesehen. »Allein dabei hatten wir großen Spaß, haben uns gefreut, wie teilweise dilettantisch der Film ist. Diese minutenlangen Einstellungen, in denen Kai und Stefan am Tisch sitzen und einfach nur labern. Das war ja ein eher aus der Not geborenes Stilmittel, weil wir keine Kohle hatten. Und so subtil und cool der Film auch ist, genauso grobschlächtig und schlechthumorig hoch zehn ist er ja teilweise. Und ganz schön anstößig«, so Moritz Bleibtreu.

»Lommbock« knüpft genau daran an. Der Film holt die ab, die Teil eins nicht kennen, erzeugt aber durch seine vielen beiläufigen Verweise auf »Lammbock« gleichzeitig witzige Aha-Effekte bei eingefleischten Fans. Dass er nicht nur mehrere Generationen, sondern auch vollkommen verschiedene Zielgruppen und eben keine Schubladen bedient, darüber freuen sich die beiden ganz besonders.

Zum Ende des Gesprächs wird es philosophisch im vollgequarzten Hotelzimmer. Bleibtreu erklärt:
»Musiker und Schauspieler, ja, Leute im Allgemeinen werden immer in eine Ecke gestellt, und es wird dafür gesorgt, dass alles schön getrennt bleibt. Dabei ist es doch gerade gut, wenn verschiedene Welten sich begegnen und dabei etwas komplett Neues entsteht. Aber weil man in Deutschland Angst vor dem Unbekannten hat oder weil es sonst die eigene Auffassungsgabe übersteigt, neigt man zur Kategorisierung.
Und sobald einer mal aus seiner Schublade rauskrabbelt und etwas anders macht, heißt es ›Nee, das geht aber doch nicht.‹« Gregorowicz ergänzt: »Etwas schlecht zu finden ist in unserer Gesellschaft eben leider sehr viel einfacher, als einfach mal was abzufeiern. Man definiert sich hier eher über das, was man nicht mag.
Und daher entsteht auch dieser typisch deutsche Humor, diese Mischung aus Schadenfreude und Sich-lustig-Machen.« Bleibtreu kann nur zustimmen:
»Genau! Statt jemanden abzufeiern, zieht man lieber den, der groß ist, auf die eigene Augenhöhe runter. Das führt zu einem mediokren Geschmack, und diese Mittelmäßigkeit zieht sich in Deutschland durch nahezu alle Bereiche, auch durch die Politik.
« Gerade, als es hochphilosophisch und interessant wird, schleicht die Promoterin ins Zimmer – die Interview-Zeit ist längst um. Mist, es wurde mehr geraucht als über Mehmet Scholl gesprochen.
— »Lommbock« (D 2017; R: Christian Zübert; D: Moritz Bleibtreu, Lucas Gregorowicz, Louis Hofmann; Kinostart: 23.03.17; Wild Bunch)