Interview mit Schauspielerin Marleen Lohse zum Staffelbeginn von nord bei nordwest


Interview mit Schauspielerin Marleen Lohse zum Staffelbeginn von nord bei nordwest

Anuschka: Du bist nun seit 2014 fester Bestandteil vom Team von Nord bei
Nordwest, ist die Arbeit einfacher mit Kollegen, die man bereits so lange
kennt?
Marleen Lohse: Es ist hilfreich, wenn man schon länger miteinander gearbeitet hat
und auf ein etabliertes Vertrauensverhältnis zugreifen kann. Ich kenne Hinnerk, Jana
und die meisten Team-Mitglieder der Produktion schon viele Jahre und wir vertrauen
uns. Wir wissen was wir aneinander haben und das ist ein Mehrwert. Auch die
Autoren Holger Karsten Schmidt und Niels Holle sind ein integraler Bestandteil. Für
mich ist es das erste Mal, dass ich eine Figur über einen so langen Zeitraum
entwickeln darf. Da wächst man natürlich auch mit der Figur und entwickelt sich
weiter. Ich freue mich aber natürlich auch immer über neue Kollegen und spannende
Herausforderungen.
Anuschka: Du spielst in der Serie eine Tierarzthelferin, könntest du dir selbst
auch einen Beruf mit Tieren vorstellen?
Marleen Lohse: Hier muss ich direkt eine Lanze für Jule brechen: Sie ist mittlerweile
schon Tierärztin, hat also studiert und jetzt mit Herrn Jacobs (Hinnerk Schönemann)
die Praxis übernommen. Wie du merkst verbindet Jule und mich – wir kennen uns ja
nun schon eine ganze Weile – sehr viel, unter anderem die Liebe zu Tieren. Ich bin
mit Tieren aufgewachsen und genieße es, bei den Dreharbeiten wieder engeren
Kontakt zur Tierwelt pflegen kann. In der Stadt ist das ja nicht immer so einfach.
Einen Beruf, der in diese Richtung geht, strebe ich aber nicht an. Ich habe durch die
Rolle der Jule bereits viel Kontakt – manchmal darf ich auch mit sehr exotischen
Tieren zusammenarbeiten. Es ist immer aufregend, die Drehbücher zu bekommen
und zu sehen, welches Tier diesmal im Fokus steht. Manchmal ist das aber auch
eine ganz schöne Belastungsprobe. Bei der letzten Folge hatten wir einen Makaken
Affen, eine Python und eine Vogelspinne.
Anuschka: Mit den Spinnen keine Probleme gehabt?
Marleen Lohse: Nee, es ging. Wir haben sehr professionelle Tiertrainer, da fühlt man
sich gut aufgehoben … auch mit einer Vogelspinne.
Anuschka: Wie würdest du den Unterschied zwischen einer Film- oder Serien-
oder Kinderproduktion beschreiben?

Marleen Lohse: Das sind ja nun drei sehr unterschiedliche Formate. Ich durfte letztes
Jahr in einen Kinderfilm mitspielen. Es handelt sich dabei um eine Romanverfilmung
mit dem schönen Titel „Die Schule der magischen Tiere“. Der Film soll Ende
nächsten Jahres endlich in die Kinos kommen. Die Dreharbeiten waren großartig und
habe wieder einmal gemerkt, dass Geschichten für Kinder den Erzählungen für
Erwachsenen in nichts nachstehen. Der russische Schriftsteller Maxim Gorki hat das
sehr schön formuliert: „Du musst für Kinder genauso schreiben wie für Erwachsene,
bloß besser.“ Die Themen in dem Film sind tiefgründig und existenziell. Es geht darin
um Freundschaft, Liebe und ums Erwachsenwerden und das Ganze ist immer mit
einer großen Prise Witz und Charme versehen. Wir hatten bei den Dreharbeiten sehr
viel Spaß und ich war beeindruckt von der Professionalität der Kinder.
Anuschka: Kinder sind ja noch sehr frei in ihrem Tun.
Marleen Lohse: Das stimmt und trotzdem waren sie sehr professionell und auf dem
Punkt sobald die Kamera lief. In dem Film geht es, wie der Titel verrät, auch um
Tiere. Allerdings sind diese Tiere animiert und daher war die Vorstellungskraft noch
mehr gefordert. Dann hat man eben kein Spielpartner. Alles muss man imaginieren.
Das war eine tolle Herausforderung und die Kinder haben mir sehr geholfen. Ich bin
sehr gespannt auf das Ergebnis.
Anuschka: Glaubst du das generell Kino in der Zukunft schwierig wird sich zu halten?
Marleen Lohse: Das ist ja schon in der Gegenwart nicht einfach. Viele kleine
Programmkinos kämpfen um ihre Zuschauer und damit um ihre Existenz. Ich war
letztes Jahr mit meinem Kinofilm „Cleo“ auf Tour durch ganz Deutschland und da
durfte ich einen kleinen Eindruck von all den fantasievollen, gemütlichen und kreativ
gestalteten Kinosälen machen. Da steckt soviel Hingabe drin. Ich liebe Kino und das
Gefühl mit vielen Menschen in einem großen dunklen Raum zu sitzen und sich
gemeinsam in eine andere Welt entführen zu lassen. Das ist mit nichts zu
vergleichen. Und viele Filme funktionieren auch nur so richtig auf einer großen
Leinwand. Man braucht die Konzentration, die Farben der Projektion und den Sound,
um sich auf die Geschichte voll und ganz einzulassen. Ich hoffe, dass den kleineren
Programmkinos während und nach der momentanen Krise unter die Arme gegriffen
wird und das sich Filmfans vielleicht öfter mal ein Ticket für den Arthousefilm kaufen,
wenn es wieder möglich ist.


nord bei nordwest Serienstart am 07,Januar 2021- 20:15 im Ersten