Interview mit Aaron Hilmer und Luna Wedler bei der Kinopremiere „Das schönste Mädchen der Welt“

Die Dietrich/ Anuschka Wienerl – 29. August 2018

Die Dietrich zu Gast bei der Kinopremiere “ Das schönste Mädchen der Welt“ im Cinedom in Köln.

Zur Premiere an diesem Abend war fast der gesamte Cast erschienen, um gemeinsam mit dem Kölner Publikum schon mal eine Preview auf das deutsche Feelgood-Movie zu haben, das (nach einigen Previews) am 6. September in die Kinos kommt. Bereits die lange Schlange, die sich durch die obere Etage des Kinos zog, machte deutlich: Dieser Film lohnt sich.

Schauspielerin und Film-Mutter Anke Engelke hatte als Kölnerin Heimspiel und zeigte sich bereits vor der Vorführung entspannt: Bereitwillig stand sie für Fotos und Autogramme zur Verfügung und scherzte mit den Gästen.

Nach dem kurzen Q&A gibt Aaron Hilmer eine Kostprobe seiner Rapkünste – und der Saal tobt. Es ist eine schöne Begegnung: Von Cast und Publikum, von Filmgrößen und Youtubern, von Musik und Text.

Nach dem Film blieb noch genug Zeit um gemeinsam mit den beiden Hauptdarstellern Aaron Hilmer und Luna Wedler in einem leeren Kinosaal ein ganz persönliches Interview zu führen.

Die Dietrich: sagt vielen Dank wir hatten heute Abend sehr viel Spaß und Euch beiden wünschen wir noch eine Spannende Kinotour, bevor der Film am 06.September 2018 seinen offiziellen Kinostart hat.

„Das schönste Mädchen der Welt“

„Das schönste Mädchen der Welt“ ist frech, lustig und sehr romantisch, mit Aaron Hilmer und Luna Wedler in den Hauptrollen.

Diese Jugendkomödie ist rundum ein Glückgriff. Im Gegensatz zu anderen Teenie-Filmen für die kinoaffine Zielgruppe nimmt sie ihre Protagonisten ernst, reduziert sie nicht aufs Handywischen, Tindern oder auf dümmliche Sprüche und vermeidet die oft üblichen voyeuristische Kamerafahrten über wohlgeformte Körperrundungen.

Zwischen Kinderfilm, banalen US-Highschool-Machwerken oder obszönen deutschen Teenie- Klamotten und Filmen für junge Erwachsene fehlt es ja durchaus an Filmen für die 14 bis 17jährigen, die sich auf sie einlassen – auf ihre Albernheiten und Nöte, Peinlichkeiten und Unsicherheiten.

Und auf die erste und große Liebe. Auch der offene Umgang mit dem Thema Mobbing im Schulalltag funktioniert. Cyril gilt zwar als Einzelgänger, wird aber nicht als Opfer dargestellt, auch wenn es sich brutal anhört, wie er in der 5. Klasse ins Spind gesperrt wurde, bis er sich in die Hosen machte. Inzwischen hat er gelernt, wann es sich lohnt, zu kämpfen, beherrscht seine Waffen: Intelligenz, Humor, das Wort.

Im Mittelpunkt steht ein tolles Trio: Cyril (Aaron Hilmer), ein Außenseiter, der wegen seinem riesigen Riecher gehänselt wird, Roxy (Luna Wedler) die Neue in der Klasse, die sich auf der Oberstufenfahrt nach Berlin spontan neben ihn setzt, und der hübsche Rick (Damian Hardung), leider nicht besonders helle.

Ausgerechnet in den verguckt sich Roxy und Cyril schreibt für den „Konkurrenten“ hinreißende Nachrichten und Songs, weil er bis über beide Ohren selbst verliebt ist, sich aber nicht traut. Roxy ist von den Texten auf ihrem Smartphone angetan, beim Date enttäuscht der geistig schlichte Knabe. Ein weiterer Kandidat ist Benno (YouTuber Jonas Ems), der das Mädchen nur aus Angeberei flachlegen und die Bilder ins Netz stellen will, was Cyril mit allen Mitteln verhindern möchte.

Lehmann verfügt über das richtige Fingerspitzengefühl, fand mit Lars Kraume und Judy Horny die passenden Drehbuchautoren. Er setzt auf harte Hip-Hop-Beats, rasante Sprüche und junge talentierte Schauspieler, die sich mit Verve in die Rollen stürzen, ihre Liebesbotschaften per knackige WhatsApp-Nachrichten verschicken, mit der Wortdynamik der Rap-Musik bezirzen statt mit Minnesang.

Wenn Cyril beim Battle-Rap aus Angst vor neuer Häme mit goldener Maske auftritt, als Unbekannter die Hip-Hop-Szene aufmischt und nach dem Sieg verschwindet, ahnt man seine ungeheure Kraft und Kreativität, aber auch tiefe Verwundbarkeit.

Die Dietrich im Interview mit Aaron Hilmer und Luna Wedler

Die Dietrich/Ramona Haas – 24.August2018

LW= Luna Wedler, spielt im Film die „Roxy“

AH= Aaron Hilmer, spielt im Film den „Cyril“

RH= Ramona Haas für DIE DIETRICH

INTERVIEW BEGINN:

RH: Wie war das Erlebnis Kinotour bisher für euch?

LW: Es ist auf der einen Seite sehr schön, aber natürlich auch mega anstrengend. Aber das wussten wir. Wir haben eine große Reise vor uns und es ist wirklich schön wie die verschiedenen Städte auf den Film reagieren.

AH: Leider schaffen wir es aber nicht so richtig die Stadt kennenzulernen. Wir kommen meistens nur von Hotel zu Hotel. Das ist ein bisschen schade, aber wer weiß, wir sind nochmal in Zürich für einen Tag. Also hier und da kann man sich auch die Stadt ein bisschen ansehen.

RH: Und ansonsten seid ihr nur im Hotel, Kino oder Tourbus?

LW: Genau, im Bus ist es aber auch ganz lustig.

RH: Ihr seid noch ziemlich jung, das ist dann auch eine ganz neue Erfahrung?

LW: Na klar, also für mich sowieso.

RH: Im Film geht es um die Klassenfahrt nach Berlin? Was habt Ihr für Erinnerungen an Eure letzten Klassenfahrten?

LW: Also wir sind in ein kleines Städtchen gefahren, nach Solothurn in der Schweiz. Ich glaube die gleichen Erinnerungen, die jeder noch hat, zum Beispiel Zickenstreit, Flaschendrehen, nachts rausschleichen und sowas.

AH: Ich glaube, das ist immer aufregend. Bei der letzten Klassenfahrt konnte ich nicht richtig teilnehmen. Es ging nach Berlin und da hab ich leider gerade  gedreht, aber zum Glück in Berlin. Da haben wir uns abends dann immer getroffen.

RH: Würdet ihr denn manchmal gerne in die Schulzeit zurück?

AH: Ich habe letztes Jahr mein Abi gemacht und bin zufrieden, dass ich durch bin und auch stolz, dass  ich nicht schon ein Jahr früher meine Schulsachen verbrannt habe.

LW: Aber Schule ist natürlich auch etwas Schönes. Man ist wie eine Familie, also das vermisse ich schon ein bisschen.

RH: Gab es denn in eurer Schulzeit auch Klischees, wie sie im Film gezeigt werden?

AH: Ich glaube in diesem Film sind diese Klischees noch ein wenig mehr überzogen, was aber auch eine durchaus bewusste Entscheidung war um dieser Liebesgeschichte Raum zu geben.

RH: Zu welcher Clique hättet ihr denn gehört?

AH: Ich war teilweise schon ein Einzelgänger, aber nicht weil ich ausgegrenzt wurde, sondern weil ich so viele andere Dinge auch gemacht habe. Trotzdem war ich immer gut integriert und am Start. In der Schule war ich 13 Jahre mit den gleichen Leuten in einer Klasse, weil ich auf einer Walldorfschule war. Da war alles cool..

RH: Wie konntet ihr euch denn mit euren Rollen identifizieren?

LW: Ich konnte mich sehr gut mit ihr identifizieren, weil Roxy mir sehr ähnlich ist. Das einzige Problem war, dass sie ein wirklich riesiges Selbstbewusstsein hat. Aber das ist auch das Geile an ihr. Sie steht einfach da und macht was sie will. Sie ist eine wahre Persönlichkeit, aber für mich war das Selbstbewusstsein am Anfang ein Problem, weil ich selbst oft unsicher bin.

RH: Roxy zu spielen war dann mit Sicherheit auch eine gute Erfahrung für dich.

LW: Genau, man lernt immer viel beim Schauspielen.

RW: Wie wichtig sind Äußerlichkeiten in der Gesellschaft?

LW: Es ist eben das erste, was man sieht. Aber, wenn man eine gewisse Reife hat, dann stört auch keine große Nase mehr, weil es geht trotzdem um den Menschen selbst.

RH: Ihr habt unser schönstes Mädchen der Welt, die Puppe Gundula, bestimmt schon gesehen. Wie wäre denn für Euch das schönste Mädchen der Welt?

AH: Das ist eine ziemlich bescheuerte Frage. Nein, nur ein Scherz, das ist sie nicht. Aber das weiß ich auch nicht. Die läuft mir dann über den Weg und dann merke ich, dass ich sie toll finde, nicht weil sie einen besonders wohl geformten Busen hat, sondern weil da etwas ist, das mich anzieht. Um das sagen zu können, müsste man mein Leben analysieren. Ich glaube sowieso, dass die erste große Liebe die zur Mutter ist. Das wird auch jeder Psychotherapeut sagen. Klar, sucht man dann erstmal nach Parallelen, nach etwas was einem vertraut ist. Aber, ich weiß es wirklich nicht.

RH: Gute Antwort. Wie ist es den Film zu sehen?

AH: Es ist ein schöner runder Film. Wir sind stolz.

RH: Vermisst ihr denn auch manchmal die Dreharbeiten?

AH: Nein, es ist schön, dass ein Film immer einen Anfang und ein Ende hat und neue schöne Sachen kommen.

RH: Dann bedanke ich mich für das Interview.

LW: Dankeschön.

AH: Vielen Dank.



 

Die Dietrich: Ramona Haas & Anuschka Wienerl nach dem Interview mit den Hautdarstellern.