Georgia May Jagger im Interview

Magazin Die Dietrich – 10.Mai 2017

Interview: Die Dietrich

Gott, diese Gene!

Eine perfekte Kombination aus Supermodel und Rock-Ikone! Ihre Mutter ist Jerry Hall, blonde Schönheit aus Texas und das Topmodel der 1980er Jahre – und ihr Vater: Mick Jagger, Rocklegende und Kopf der Rolling Stones, der keiner weiteren Erklärung bedarf. Doch Georgia May Jagger (23, Markenzeichen: Schmollmund mit süßer Zahnlücke) steht keineswegs im Schatten ihrer berühmten Eltern, sondern hat sich längst selbst einen Namen gemacht – als Model, Designerin und neuerdings auch als Fotografin. Ihr neuestes Projekt: Ein modisches Makeover für Disneys Minnie Mouse anlässlich der London Fashion Week. Im exklusiven RIZE-Interview verrät Georgia May Jagger Details dazu und vieles mehr…

Die Dietrich: Georgia May, schön, dass Sie sich Zeit für uns nehmen. Sie scheinen momentan ziemlich busy zu sein.

Jagger: Das kann man wohl sagen. Den ganzen Tag spreche ich schon über Minnie… (lacht)

Wie es kam es dazu, dass Disney Sie als Testimonial für die Minnie-Mouse-Aktion auswählte? 

Ich war schon immer ein großer Fan von Minnie Mouse. Sie war die Heldin meiner Kindheit und ist es bis heute. Ich habe bereits früher als Model einige Shootings im Disney-Stil gemacht, das ist den Disney-Machern wohl aufgefallen und so es dazu, dass sie bei meiner Agentur anfragten. Ich musste nicht lange nachdenken, um zuzusagen.

Wie jedes normale Kind haben Sie also Disney-Filme geliebt. 

So ist es. Neben Minnie waren Daffy Duck und natürlich Pocahontas meine Heldinnen.

Was macht Minnie Mouse in Ihren Augen so besonders?Sie ist das ultimative „Girl’s girl“ und so zu einer Ikone der Popart geworden – durch ihren Humor und ihre Mode, immer stylish, immer classic. Niemand kann Kleider mit Polkadots so cool tragen wie sie. Außerdem ist Minnie unabhängig und viel mehr als nur Mickys Girlfriend.

Was außer Stil und Humor macht eine Frau Ihrer Meinung nach sexy?

Selbstvertrauen! Eine starke, selbstsichere Ausstrahlung!

Und haben Sie die?

Ich fürchte, nein (lacht)…

Beim „Minnie“-Projekt ist auch die junge Designerin Ashley Williams involviert, die als „London’s Queen Of Kitsch“ gilt. Wie lief die Zusammenarbeit?

Super! Wir wurden schnell ein gut eingespieltes Team, denn ich bin in der Vergangenheit bereits ein paar Mal auf ihren Modeschauen gelaufen. Ashley ist eine der talentiertesten neuen Modedesignerinnen Englands und eine wirklich inspirierende Persönlichkeit. Ich freue mich, mit ihr arbeiten zu dürfen.

Auf der London Fashion Week wird es auch eine Fotoausstellung zum Thema Minnie Mouse geben…

Ja, und ich bin die Kuratorin. Wir zeigen die Entwicklung und den Einfluss auf die Mode, den Minnie seit vielen Jahrzehnten hat.

Es heißt, dass Sie selbst auch Fotos beisteuern! Sind das Momentaufnahmen mit Ihrem iPhone aufgenommen?

Nein, nein (lacht). Ich bin zwar in erster Linie Model, aber auch leidenschaftliche Fotografin und benutze selbstverständlich professionelles Equipment. Das macht mir viel Spaß. Modeln alleine empfinde ich nicht als abendfüllend.

Haben Sie denn auch Ambitionen in Richtung Schauspiel oder Musik? Ich meine, bei dem Vater…

Ich denke, eher nicht. Das überlasse ich ehrlich gesagt lieber meinem Dad.

Man kann also sagen, Sie haben eher das Talent Ihrer Mutter geerbt als das Ihres Vaters…

Ja, so ist es wahrscheinlich…

Haben Sie sich denn jemals gewünscht, ein Kind ganz normaler, eher langweiliger Eltern zu sein – und nicht die Tochter von weltberühmten Superstars?

Nein, ich fand es immer ganz toll, wie es war. Und ich kenne es ja auch nicht anders.

Ist es von Vorteil oder Nachteil einen großen
Namen wie Jagger zu tragen?

Für mich ist es easy, wirklich, ganz normal. Es ist meine Familie – und die heißt eben Jagger. Ich habe damit kein Problem.

Sie sehen Jerry Hall und Mick Jagger eben nicht als Stars, sondern als Mom und Dad…

Genau so ist es. Es sind oft außenstehende Menschen, die da einen großen Deal daraus machen. Wir nicht.

Ihre Mutter ist Texanerin, Ihr Vater Brite. Wo sind Sie aufgewachsen?

In London, bei meiner Mutter, wo ich auch heute noch lebe. Daher auch mein britischer Akzent.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Schulzeit?

Ich blicke – wie wohl fast alle Schüler – mit gemischten Gefühlen darauf zurück. Es gab Fächer die mir Spaß machten, etwa Kunst oder Englisch, aber auch welche, die ich nicht mochte. Mathe habe ich immer gehasst.

Gibt es für Sie außerhalb der Modelbranche einen Traumjob?

Ja, ich wäre gerne Tierärztin geworden. Ich liebe Tiere über alles, immer schon. Und ich wäre auch gern Artistin in einem Zirkus geworden.

Aber nicht im „Rock’n’Roll Zirkus“, wie Ihr Dad…

No, no, nicht in diesem Zirkus. Lieber in einem echten, der gefällt mir besser!

Haben Sie Haustiere?

Oh ja, einen Hund namens „Daisy“ und eine Katze, „Lynx“. Ich sehe sie viel zu selten, aber liebe sie über alles.

Aber keine Maus (kleine Anspielung auf Minnie)…

Nein, die würde sich sicher mit meiner Katze nicht so gut vertragen (lacht). Einen Minnie-Mouse-Aufsteller habe ich allerdings.

Engagieren Sie sich auch im Tierschutz?

Nein, da bin ich nicht aktiv, weil mir dazu momentan einfach die Zeit fehlt. Und wenn ich etwas mache, dann richtig. Aber ich bin gut zu allen Tieren, die mir über den Weg laufen.

Sind Sie Vegetarierin?

Nein, bin ich nicht. Ich esse ab und zu schon gern Fleisch, das muss ich gestehen. Trotzdem liebe ich Tiere über alles. Das geht.

Sie modeln seit Ihrem 16. Lebensjahr für Top-Marken wie Chanel, H&M, Miu Miu, Vivienne Westwood oder Cavalli.

Was macht Ihnen mehr Spaß: Fotoshootings oder Modeschauen?

Ich bevorzuge Fotoshoots, denn da hat man mehr Freiheiten und Spielraum, um sich in Szene zu setzen. Ich mag natürlich auch Modeschauen, das gehört schließlich zum Model-Job, aber so ein Runway-Walk ist immer viel zu schnell vorbei.

Fühlt man sich nicht ein bisschen wie ein Rockstar, wenn man vor den Augen des Publikums über den Runway geht?

Natürlich gibt es manche Models, die das so sehen und sich wie Rockstars aufführen, aber ich nicht. Für mich ist es ein Job, aber ein cooler.

Wann haben Sie Ihren Dad mit den Rolling Stones zuletzt auf der Bühne erlebt?

Das war erst vor wenigen Wochen, bei einem Konzert in Buffalo/ New York. Eine echt beeindruckende Show. Ja, ich bin wirklich ein Fan der Stones (lacht). Ich liebe den Sound, den sie machen.

Verraten Sie uns noch Ihre nächsten Projekte?

Zunächst kommt das Shooting mit Minnie Mouse in London für die Ausstellung während der Fashion Week. Da werden auch einige Selbstporträts von mir zu sehen sein. Außerdem geht in Kürze meine eigene Kollektion bei Mulberry an den Start mit von mir designten Lederjacken, Taschen und Seidenschals. Außerdem habe ich Aufträge von Sunglass Hut, der französischen Schuhmarke Minelli und für Reserved. Ich liebe die Kleider von Reserved.

Man sieht, Sie scheinen wirklich keine Ambi-
tionen im Rock-Biz zu haben…

Absolutely not! Das überlasse ich, wie gesagt,
lieber meinem Vater.

Georgia, vielen Dank für das Gespräch.