Der ECHO 2016 – 25. Verleihung des Musikpreises

Vier Preise für Helene Fischer

Newcomer Joris erhielt drei ECHOs. Robin Schulz, Kollegah und Lost Frequencies wurden jeweils zweimal ausgezeichnet. Weitere Awards gab es für Sarah Connor, Andreas Bourani, James Bay und Udo Lindenberg sowie PUR, Wolkenfrei, Santiano u.v.a.

Berlin. Die große Siegerin stand quasi schon vor der Verleihung fest. Helene Fischer hatte in diesem Jahr allerbeste Karten, nach ihrem Trophäen-Quartett 2015 erneut Echo-Geschichte zu schreiben. Für drei Echos war die Sängerin diesmal nominiert; ein einziger reichte aus, um die Kastelruther Spatzen vom Spitzenreiter-Thron zu stoßen. 13 Echos hat die Schlagertruppe bereits auf dem Konto, Fischer bis gestern Abend erst zwölf. Der Plot ging auf. Mehr als das.

Die 25. Echo-Verleihung in den Messehallen unter dem Berliner Funkturm war eine Art Krönungszeremonie. Seit Donnerstagabend regiert mit 16 Echos endgültig Königin Fischer die deutsche Musikwelt. Geduldigt wurde der Schlager-Queen, die inzwischen auch in Popgefilden abräumt, beim alljährlichen Branchenfest nicht zu knapp. Barbara Schöneberger, die die Jubiläumsgala moderierte und sich im Vorfeld auch „am allermeisten auf die Fischer“ gefreut hatte, ließ aber glücklicherweise die anderen Künstler nicht zu kurz kommen. Rund hundert Nominierte in 31 Kategorien waren vor acht Uhr über den lilafarbenen Teppich flaniert, um sich den wichtigsten deutschen Musikpreis, den die Deutsche Phono-Akademie seit 1992 verleiht, abzuholen.

Zu den ersten, die jubeln durfte, zählte die deutsche Sängerin Sarah Connor. „Dass ich mal in meiner eigenen Muttersprache erfolgreich sein werden, hätte ich früher nie gedacht“, gab die Berlinerin zu, als sie von Schauspielerin und Freundin Alexandra Maria Lara den Echo in der Kategorie „Künstlerin Rock/Pop National“ überreicht bekam. Das die Auszeichnung verdient war, bewies sie später auf der Bühne im Duett mit dem britischen Singer-Songwriter James Bay. Letzterer war einer der wenigen internationalen Stars, die es am Donnerstagabend nach Berlin geschafft hatten. Aus Kanada eingeflogen: The Weeknd. Aus Irland herübergeschippert: Enya. Ansonsten glänzten sowohl Nominierte als auch Preisträger aus dem Ausland mit allgemeiner Abwesenheit und schickten allenfalls Videobotschaften.

Der Echo, der sich so gern mit internationalen Preisen wie dem Grammy vergleicht, ist am Ende eben doch nur ein nationales Klassentreffen. Keine Jury entscheidet, wer gewinnt. Ausschlaggebend sind allein die Plattenverkäufe. Kein Wunder also, dass als nächstes der Osnabrücker DJ Robin Schulz gleich zwei der zweieinhalb Kilogramm schweren Trophäen aus dem Saal schleppte. Er gewann als „Bester Nationaler Act im Ausland“ und in der Kategorie „Dance National“ – wäre er nicht so verdammt cool, hätte er sich auch ein bisschen freuen können.

Joris ist die Überraschung des Abends

Die große Überraschung des Abends hieß am Ende allerdings Joris: Der Bielefelder Sänger gewann drei Echos, während Topfavoriten wie Sido leer ausgingen. Den einzigen richtigen Eklat der Jubiläumsgala produzierten wiederum vier Südtiroler: Frei.Wild wurde als beste Rock-Alternative-Band ausgezeichnet, woraufhin sie vom Publikum hörbar ausgebuht wurde. Die Gruppe, vor fünf Jahren wegen rechtsnationaler Tendenzen beim Echo noch nicht geduldet, konterte mit Sprüchen wie „Wir sind, was wir sind“, ergriffen ihren Preis und stapften direkt Richtung Ausgang. Zu den Gewinnern des Abends gehörte hingegen Xavier Naidoo, selbst wenn er die Halle nicht als Preisträger verließ: Diesmal durfte der Heidelberger in der ARD singen, und wollte es auch. Mit „Frei“ zeigte er, dass er des Eurovision Song Contests in Schweden durchaus würdig gewesen wäre.

Echo 2016: Das sind die großen Gewinner

  • Album des Jahres:
    HELENE FISCHER – „WEIHNACHTEN“
  • Künstler Rock/Pop national:
    ANDREAS BOURANI – „HEY“
  • Künstler Rock/Pop international:
    ED SHEERAN – „X“
  • Künstlerin Rock/Pop national:
    SARAH CONNOR – „MUTTERSPRACHE“
  • Künstlerin Rock/Pop international:
    ADELE – „25”
  • Band Rock/Pop national:PUR – „ACHTUNG“
  • Band Rock/Pop international:
    COLDPLAY – „A HEAD FULL OF DREAMS”
  • Schlager:
    WOLKENFREI – „WACHGEKÜSST“
  • Volkstümliche Musik:
    SANTIANO – „VON LIEBE, TOD UND FREIHEIT“
  • Hip-Hop/Urban national:
    KOLLEGAH – „ZUHÄLTERTAPE VOL. 4“
  • Hip-Hop/Urban international:
    DR. DRE – „COMPTON“
  • Dance national:
    ROBIN SCHULZ –„SUGAR“
  • Dance international:
    LOST FREQUENCIES – „ARE YOU WITH ME“ U.A.
  • Rock/Alternative national:
    FREI.WILD –„OPPOSITION“
  • Rock/Alternative international:
    IRON MAIDEN – „THE BOOK OF SOULS “
  • Crossover:
    HELENE FISCHER – „WEIHNACHTEN“
  • Newcomer national:
    JORIS – „HOFFNUNGSLOS HOFFNUNGSVOLL“
  • Newcomer international:
    JAMES BAY – „CHAOS AND THE CALM”
  • Hit des Jahres:
    LOST FREQUENCIES – „ARE YOU WITH ME“
  • Musik-DVD/Blu-ray national:
    HELENE FISCHER – „FARBENSPIEL LIVE“
  • Produzent national:
    ALEX CHRISTENSEN
  • Live-Act national:
    HELENE FISCHER – „FARBENSPIEL LIVE – DIE STADION-TOURNEE“
  • Lebenswerk:
    PUHDYS
  • Partner des Jahres:
    ASPEKTE (ZDF)
  • Handelspartner des Jahres:
    SPOTIFY
  • Soziales Engagement:
    ROLAND KAISER
  • Nationaler Act im Ausland:
    ROBIN SCHULZ
  • Best Interactive Act national:
    KOLLEGAH
  • Bestes Video national:
    UDO LINDENBERG UND KIM FRANK (REGIE & PRODUKTION) – „DURCH DIE SCHWEREN ZEITEN“
  • Radio-ECHO:
    JORIS – „HERZ ÜBER KOPF“
  • Kritikerpreis national:
    JORIS –„HOFFNUNGSLOS HOFFNUNGSVOLL“

Text und Bilder: Anuschka Wienerl