Calvin Klein 2015W39NYC Filmwelt Catwalk

Die Dietrich/ Anuschka Wienerl – 20.September 2018

Raf Simons widmet sich erneut der Filmwelt: mit seiner Show taucht er diesmal in die Welt von „Jaws“ ein.

New York Fashion Week Februar 2018 Popcorn auf dem Boden war nur eines der vielen amerikanischen Symbole, die Raf Simons in seiner mittlerweile dritten Saison für Calvin Klein 205W39NYC in seine Show und neue Kollektion für Herbst/Winter 2018/19 einarbeitete

Vor zwei Jahren kam Raf Simons nach New York, um die Marke Calvin Klein 205W39NYC mit seiner europäischen Sensibilität zu revitalisieren. Der belgische Designer macht kein Geheimnis aus seiner Liebe zum Film und verweist mit seiner Arbeit auf Inspiration durch meist europäische, obskure Filme. „It’s a masterpiece on all levels” deklariert Simons Steven Spielberg’s Film von 1975.

Raf Simons
“At the beach there’s this incredible idea of beauty, but also a tension between land and ocean, a feeling of two worlds meeting. There’s a sense of the unexpected – and always, a temptation. For me, JAWS perfectly exemplifies that.”

Das Filmplakat ziert als Hauptmotiv die aktuelle Frühlingskollektion, und auch der Rest ist vom Ozean inspiriert: Models wie Kaia Gerber, Yasmin Le Bon und Stella Tennant trugen Strickpullover, dekonstruierte Neoprenanzüge, sowie Taschen mit gigantischen Ketten, die an Anker erinnern und Bojen erinnern. Auch der Film The Graduate von Mike Nichols spiegelte sich in Form von Graduation-Gewändern und -Kappen in der Kollektion wieder.
In Raf Simons’ Kollektion für Calvin Klein 205W39NYC – seiner mittlerweile dritten – bekommt alles Symbolkraft. Es ist nicht nur das Popcorn und der Ort, die diese große Geschichte der amerikanischen Zerrissenheit erzählen, sondern auch Looks wie ein karierter Businessmantel, der der Garderobe eines typischen Wall-Street-Bankers entnommen zu sein scheint, über den wiederum ein orangefarbener Workwearmantel mit silbernen Reflektoren, den gerade eben noch ein Bauarbeiter auf dem Highway hätte tragen können, kombiniert wird. Oder Kleider wie die „Prairie Dresses“, die deutlich amerikanischen Mythen wie dem „Go West!“-Mantra des 19. Jahrhunderts oder dem „Dust Bowl“ der 30er-Jahre entlehnt sind, denen Simons ihre Prüderie nimmt, indem er sie aufschneidet, und dabei entweder die Brüste, die Arme oder die Taille seiner Models freilegt. Er dekonstruiert den amerikanischen Traum, setzt seine Einzelteile wie in seinem eigenen Horrorfilm so neu zueinander, dass es dem heutigen amerikanischen Alptraum entspricht, wie ihn das Land durchlebt.

Dieses Prinzip, die große Idee Amerikas in ihrer Wahrheit von heute darzustellen, indem er ihre Mythen entlarvt, ist etwas, was Raf Simons von Anfang an in seiner Arbeit für Calvin Klein verfolgt hat. Diese Saison ist ihm dabei aber vor allem eines wichtig: „Weniger Horror, mehr Hoffnung“, sagte der Designer nach seiner Show. Wo diese Hoffnung lag? Vor allem darin, dass Simons seine Entwürfe symbolisch mit Weichheit und Transparenz wappnet – unsere Waffen in einer Trump-Welt, sozusagen. Die Sturmhauben-ähnlichen Kopfbedeckungen aus weichem Strick lassen das ganze Gesicht frei, besagte Prairiekleider aus Tüll werden einfach sanft über Workwear gelegt und zur Not gibt es immer noch den Roadrunner der Looney Tunes (wenn auch auf einem Strickpullover leicht verzerrt), der uns mit Humor Komfort gibt.

Im November letzen Jahres wurde eine langjährige Kooperation zwischen Calvin Klein 205W39NYC und der Andy Warhol Foundation bekannt gegeben, nachdem Raf Simons bereits in seiner letzten Kollektion im September Prints von Warhol verwendet und entfremdet hatte. Diese Saison fanden sich einige von ihnen auf die Wände der Location projiziert. Ist Raf Simons also der heutige Andy Warhol der Mode, der die Tiefen des mittleren Westen und ihres kleinen Mannes zur Kunst macht und dem Graben durch die USA damit eine neue Würde verleiht? Zumindest regt seine Kollektion so sehr zum Denken an, wie Mode es lange nicht geschafft hat…
(Photo by Slaven Vlasic/Getty Images)